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Das Leben nach Krieg, Bedrohung und Trauma

Das Leben nach Krieg, Bedrohung und Trauma

Freitag, 19.06.2015, 19:00 Uhr:

Ein Abend über die Bewältigung traumatischer Erlebnisse in Afghanistan

Weit weg ist Afghanistan und der dortige Konflikt. In den Nachrichten hören wir zwar von den Entwicklungen, sehen die Bilder und die Menschen, die dort betroffen sind. Aber wir können uns ehrlich gesagt nicht so richtig vorstellen, was diese Menschen dort erleben. Wie lebt man weiter, wenn Familienmitglieder verletzt, getötet oder man selbst betroffen ist? Wie gehen die Menschen mit der (sehr persönlichen und konkreten) Bedrohung durch radikale Gruppen um? Und wie gelingen Neuanfänge nach einem solchen Trauma – manchmal auch in einem anderen Land?

An diesem Freitag wollen wir Menschen ein Forum geben, die sich aktiv und ganz real um das Leid der Opfer kümmern.

IPSO – Psychosoziale Hilfe für Menschen in Afghanistan

Inge MissmahlInge Missmahl besuchte Afghanistan in 2004 zum ersten Mal, um 3 Monate im dortigen Mental Health Hospital zu arbeiten. Bei diesem Besuch lernte die Psychologin, dass für traumatisierte Menschen in Afghanistan eine psychosoziale Hilfe und Betreuung nicht existierte! Und das in einem Land, in dem die Bevölkerung seit 1979 durch Krieg, Bürgerkrieg und großer politischer Unsicherheit traumatischen Erlebnissen ausgesetzt war und ist. Diese Erkenntnis ließ sie nicht los und so gründete Inge Missmahl in 2008 die Organisation IPSO (International Psychosocial Organisation) mit dem Ziel, eine solche Hilfsstruktur für die Trauma-Bewältigung aufzubauen.

Ipso International Psychosocial Organisation - Trauma-Bewältigung in KrisengebietenSeit diesem Tag hat IPSO eine große Anzahl Psychosozialer Helfer in einem einjährigen Kurs ausgebildet, in Kooperationen mit dem afghanischen Gesundheitsministerium im ganzen Land die psychiatrische und psychologische Grundversorgung aufgebaut, sich in kulturellen Projekten engagiert und im letzten Jahr weit über 50.000 Menschen in Einzelgesprächen durch psychosoziale Beratung helfen können. Die gemeinnützige Organisation (eine deutsche gGmbH) wird vor allem vom Auswärtigen Amt und der EU unterstützt.

Inge Missmahl wird uns an diesem Abend über Ihre Erfahrungen bei dieser Arbeit berichten.

Vom Dolmetscher zum Flüchtling – Bewältigungsstrategien afghanischer Ortskräfte in Deutschland

ane Meyer-Clson über Trauma BewältigungSeit 2002 ist die Deutsche Bundeswehr in Afghanistan engagiert, in der Hochzeit des Einsatzes mit bis zu 5300 Soldatinnen und Soldaten. Für diesen Einsatz greift die Bundeswehr – wie die anderen westlichen Organisationen – auf „Ortskräfte“ zurück, die als Übersetzer, Fahrer, Reinigungskräfte arbeiten. Jetzt, wo die internationalen Truppen aus Afghanistan abziehen, sind viele dieser ca. 1500 Ortskräfte akut bedroht und befürchten, von den Taliban als „Kollaborateure“ bestraft zu werden. Nach langem Zögern hat die Bundesregierung nun einigen der ehemaligen Mitarbeiter ein beschleunigtes Asylverfahren angeboten, so dass sie mit ihren Familien nach Deutschland ausreisen durften.

Juliane Meyer-Clason, Paar- und Familienberaterin, Counselor und Dozentin, hatte schon in der Soldatenbetreuung mit traumatisierten Bundeswehrsoldaten gearbeitet und erfuhr in diesem Zusammenhang vom „Patenschaftsprogramm für Ortskräfte“. Deren Schicksal, jetzt in Deutschland in einer fremden Kultur komplett auf sich gestellt zu sein, brachte sie dazu, gemeinsam mit Soldaten und Afghanen das „Patenschaftsnetzwerk Afgha­nische Orts­kräfte“ zu gründen. Der Verein schafft mit unbürokratischer Hilfe den „Flüchtlingen wider Willen“ einen Anker in ihrer neuen Heimat und unterstützt sie beim Ankommen.

Juliane Meyer-Clason wird an diesem Abend im Gespräch mit einer Afghanischen Ortskraft in Meeet erläutern, wie Bewältigungsstrategien bei solchen dramatischen Veränderungen im Leben aussehen können.

Der Termin

Termin: Freitag, 19.6.2015, 19:00 Uhr (Einlass ab 18:30 Uhr)

Eintritt: 8€, ermäßigt 5€ (plus freiwillige Spende)

Der Erlös dieses Abends (und einer Spendenbox) wird komplett den beiden Organisationen IPSO und Patenschaftsnetzwerk als Spende zur Verfügung gestellt.

Tickets an der Abendkasse oder direkt hier bei Eventbrite

 

 

 

Fotos: Titelbild Public Domain (CC0) von Amy Amber via Pixabay, Portrait Missmahl: privat, Portrait Meyer-Clason: © Christian Jungeblodt